Leader werden knapp.

Vor zwei Jahren hätte wohl niemand darauf gewettet, dass die Schweizer Wirtschaft insgesamt so stabil durch die Pandemie kommt. Viele Industrieunternehmen berichten uns von respektablen Jahresergebnissen für das Geschäftsjahr 2021 und Rekorden beim Auftragseingang. Engpässe sind elektronische Komponenten und gute Mitarbeiter. Das Ringen um Fachkräfte und Talente hat sich zugespitzt. Auch Führungskräfte werden knapp.

Für manche Angehörige der Generation X (1965 – 1980) war und ist die berufliche Karriere ein Lebensziel. Hierfür gab es klare Kaderschmieden wie eine Offizierslaufbahn oder ein Berufseinstieg nach dem Studium bei einem renommierten Beratungsunternehmen. McKinsey und Goldman Sachs waren für viele Studenten Leitsterne, ob man sie erreichte oder nicht. Gute Studienabschlüsse, 60-Stunden-Wochen und Auslandaufenthalte waren eine Selbstverständlichkeit.

Jetzt sollte die Generation Y (1981 – 1996) in den Unternehmen Verantwortung übernehmen. Deren Werdegang verläuft anders: Die High-Potentials gründen während des Studiums oder unmittelbar danach einen Startup. Sie suchen Gestaltungsfreiheit, Sinnhaftigkeit und unternehmerische Entfaltung. Später ist eine Integration ins enge Korsett eines grösseren Unternehmens kaum mehr möglich. Andere wollen ihre Matrixfunktion in einem Konzern mit der Möglichkeit für «Remote Work» nicht mit einer grösseren Linien-Position, die regelmässig mit einem deutlich höheren Arbeitseinsatz verbunden ist, eintauschen. Selbst bei CEO-Positionen erleben wir es immer wieder, dass Kandidatinnen und Kandidaten ihre Bewerbung zurückziehen, weil sie ihre Work-Life-Balance in Gefahr sehen.

Ursachen für diese Genügsamkeit sehen wir bei der Wohlstandsgesellschaft, beim Rollenmix innerhalb der Familien, bei medial aufgeblasenen schlechten Vorbildern von CEOs bzw. beim abnehmenden Sozialprestige von Wirtschaftskapitänen. Oft wirken auch Elternteile der Generation X und älter, welche beruflich engagiert und für die Familie wenig Zeit hatten, abschreckend. Je akademischer die Ausbildung, desto stärker tritt die Sinnfrage der Generation «why» in den Vordergrund. So sind wir als Executive Search Consultants zunehmend mit ganz grundsätzlichen Lebensfragen konfrontiert.

Die Pandemie mit der verbreiteten Möglichkeit für Homeoffice hat diesen Trend akzentuiert: Es ist angenehm, bei vollem Lohn von zu Hause aus zu arbeiten, neben den beruflichen auch private Pendenzen zu erledigen und den ganzen Tag mit der Familie zu verbringen. Entsprechend überlegen sich Kandidatinnen und Kandidaten, ob sie sich einen Arbeitsweg von 45 Minuten antun wollen – wohlverstanden im Zusammenhang mit C-Level Positionen.

Was ist zu tun? Hoffen auf einen Gegentrend der Generation Z (1997 – 2010)? Führung von Unternehmen vom Homeoffice aus? Aufteilung der Verantwortung von CEOs auf mehrere Köpfe? Verstärkter Import von Führungskräften aus dem Ausland?

Erfolg duldet keine Halbherzigkeit – Unternehmen brauchen Leader, die sich voll committen.

Selbstverständlich hat sich die Rolle eines Leaders in den vergangenen Jahren verändert. Die Ansprüche an den CEO mit kooperativem Führungsstil, emotionaler Intelligenz, agiler Koordinationskompetenz sowie inhaltlichem Input sind jedoch tendenziell gestiegen. Dies erfordert ein volles Commitment bzw. den uneingeschränkten Willen, ein Unternehmen weiterzuentwickeln. Eine 42-Stundenwoche im Homeoffice reicht nicht. Anderseits müssen auch die Unternehmen umdenken: Die Generation «why» ist anders – nicht schlechter, sondern anders. Oft zitierte Lebensformen der Generation X wie «Montag bis Freitag gehört der Firma, das Wochenende der Familie» gelten nicht mehr. Die Work-Life-Balance und Rollenteilung in der Familie sind zunehmend integrale Bestandteile der Rekrutierungsgespräche. Entsprechend umfassender werden unsere Executive Search Mandate. Einerseits gilt es, die Leader der Generation Y zu entdecken und sie auf dem Weg in eine C-Level Position zu begleiten – dazu gehört neben dem Coaching in Führungsfragen auch die Beratung zur Gestaltung des Familienlebens. Anderseits müssen auch die Unternehmen auf diese neuen Leader vorbereitet werden.

Hierfür einige Beispiele aus unserer Executive Search Praxis:

  • Gewinnung und erfolgreiche Integration einer hervorragend qualifizierten jungen Frau als CEO für ein traditionsreiches Familienunternehmen. Ihr Ehemann hat sich beruflich zurückgenommen und kümmert sich schwergewichtig um die Kinder. Das Unternehmen hat sich daran gewöhnt, dass der CEO ein bis zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeitet.
  • Entdeckung eines jungen, talentierten Leiters einer kleinen Business Unit und Entwicklung zum CEO eines mittelständischen Unternehmens mit über CHF 100 Mio. Umsatz. Karriereberatung für seine Frau, die beruflich ebenfalls Gas geben möchte. Abwägung der verschiedenen Optionen für die Betreuung des Kleinkindes. Onboarding Coaching des CEOs mit intensiver Integration des Verwaltungsratspräsidenten.
  • Entwicklung einer jungen Frau zur Geschäftsführerin eines Multi Family Offices verbunden mit dem Umzug der Familie von einer Grossstadt aufs Land. Unterstützung ihres Ehemannes bei der Suche einer neuen Geschäftsführer-Position am neuen Wohnort. Diskussion des Mixes von Fremd- und Selbstbetreuung des Kleinkindes. Initiierung eines Homeoffice Reglements des Arbeitgebers.

Gute, junge Leader der Generation Y zu finden, ist anspruchsvoll. Diese brauchen Sparringspartner auf Augenhöhe – nicht nur für berufliche Fragestellungen, sondern auch für das private Dispositiv. Gleichsam müssen Unternehmen auf Führungskräfte der Generation «why» vorbereitet und deren Integration umsichtig begleitet werden. Das blosse Schalten eines Job-Inserates reicht nicht mehr, um die besten Leader der nächsten Führungsgeneration zu gewinnen.

«Business Transformation», «Diversity» sowie «Hiring for Cultural Fit» sind unsere Kernthemen: Als agile, dynamische Schweizer Executive Search Boutique mit integriertem Leadership Consulting wollen wir Mitverantwortung für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Unternehmen im digitalen Zeitalter übernehmen. Mit Begeisterung und Kompetenz steht Ihnen Witena als Sparringspartnerin zur Seite, um Sie in der Weiterentwicklung Ihres Unternehmens zu unterstützen.