MAVERICK IST WIEDER GEFRAGT

Januar 2025

36 Jahre nach Top Gun wird Maverick (Tom Cruise) zurückgeholt, um als Spielertrainier eine schier unmögliche Mission vorzubereiten und letztlich federführend durchzuführen. Trotz seinen 60 Jahren besticht Maverick durch seinen Energiepegel, seine unlimitierte Leistungsbereitschaft sowie seine Entscheidungsfreudigkeit und Lebenserfahrung. Geflogen wird mit «veralteten» Kampfjets, weil die neue Technologie für diese besondere Mission in Bodennähe nicht geeignet ist. Letztlich kann die weltbedrohende Urananreicherungsanlage zerstört werden, weil sich die Piloten der Generationen X und Z in unübertreffbarem Teamwork für die Erfüllung der Mission einsetzten. Diskussion über 35-Stundenwoche, Homeoffice, Extrabonus oder Quoten? Fehlanzeige. Alle trainierten bis zur Erschöpfung. Die besten flogen die Mission, darunter auch eine hervorragende Pilotin.

Es lohnt sich, Top Gun: Maverick, der 2022 in den Kinos lief, wieder einmal via Netflix anzuschauen. Neben der spannenden Handlung und den atemberaubenden Bildern fasziniert die Analogie zur aktuellen Wirtschaftswelt. Viele Unternehmen sind mit existenzbedrohenden Herausforderungen konfrontiert. Manche Verwaltungsräte realisieren, dass sie nach über 10 Jahren wirtschaftlichem Rückenwind Teams an der Spitze haben, die Krise nicht können. In vorwiegend verdeckten Suchen werden einzelne Geschäftsleitungsmitglieder ausgewechselt. Die bis anhin feststellbare «gläserne Decke» von 55 Jahren ist schlagartig nach oben geschnellt. Gesucht werden Führungskräfte mit Flugstunden bzw. Erfahrung im Krisenmanagement. Die Experimentierfreudigkeit ist signifikant zurückgegangen und die Diskussion betreffend Quoten weitgehend verstummt. Es braucht jetzt die Besten. Es braucht Mavericks, welche die Lage klar analysieren, griffige Massnahmen festlegen und das Führungsteam einschwören können. Dabei gilt es, einschneidende Entscheide zu treffen – sei dies ein Personalabbau, eine Reduktion von Budgetpositionen oder die Schliessung von unprofitablen Geschäftsbereichen. Angesichts des Fachkräftemangels sind diese Entscheide deutlich komplexer als in früheren Jahren, weil Personal beim nächsten Aufschwung nicht ohne weiteres wieder aufgebaut werden kann. Künstliche Intelligenz kann diese Entscheide nicht treffen. Es braucht wieder das herkömmliche Handwerk von Lageanalyse, Erarbeitung von Handlungsoptionen, Entscheidungsfindung, Massnahmenplanung und konsequente Umsetzung. Dabei gilt es, die Mitarbeitenden mitzunehmen, regelmässig zu kommunizieren und das Vertrauen zu gewinnen. Die Tools einer militärischen Führungsausbildung sind übrigens auch für die unternehmerische Krisenbewältigung bestens geeignet.

Maverick führt uns noch einen anderen Aspekt vor Augen: Anspruchsvolle Missionen können nur gelingen, wenn man mit Respekt und Demut ans Werk geht. Jüngere Geschäftsleitungsmitglieder bzw. Führungskräfte müssen erkennen, dass sie von der krisenerprobten, älteren Kollegin viel lernen können. Führungskräfte der Generation X müssen wiederum erkennen, dass sie die Kolleginnen und Kollegen der Generationen Y und Z nicht vor vollendete Tatsachen stellen können. Vielmehr sind Entscheide möglichst im Team zu treffen. Dadurch wird nicht nur die Qualität der Entscheide besser, sondern auch das «buy-in» aller Team-Mitglieder sichergestellt, was für den Erfolg der Umsetzung entscheidend ist. Es gibt jedoch auch Entscheide, welche nicht basisdemokratisch getroffen werden können, was vom Team auch akzeptiert wird. So hat auch Maverick die Zusammensetzung des Kernteams für die Mission top-down festgelegt.

Die Rekrutierung von CEOs und Geschäftsleitungsmitgliedern der Generation X kann zur Folge haben, dass jüngere Führungskräfte, welche auf eine Beförderung spekuliert haben, demotiviert werden. Hier sind Karrieregespräche wichtig, in welchen die Bedeutung für das Unternehmen, die persönliche Weiterentwicklung sowie die konkrete Nachfolgeplanung angesprochen werden.

Für stellensuchende Führungskräfte ist die aktuelle Situation auch herausfordernd. Es dreht sich zwar einiges im Markt – aufgrund der vorwiegend verdeckten Suchen ist der Arbeitsmarkt jedoch intransparent. Immerhin sind die Generation X bzw. Führungskräfte mit Erfolgsausweis im Krisenmanagement wieder gefragt – entscheidend ist der Energiepegel und weniger die Geburtsurkunde. Wir empfehlen, die bisherige Turnaround- und Transformations-Erfahrung herauszuarbeiten. Ebenfalls sind Internationalität, interkulturelle Affinität, Denken in strategischen Optionen sowie Führungsexpertise gefragt. Zudem ist mit den einschlägigen Executive Search Unternehmen ein enger Kontakt zu pflegen.

In der aktuellen Krisenzeit sind Führungskräfte der Generation X wieder gefragt. Dies ist eine Chance für alle Beteiligten.

Als grösste inhabergeführte Executive Search Boutique der Schweiz unterstützen wir Unternehmen beim Aufbau starker Führungsteams. Dies umfasst auch deren Verstärkung mit Kompetenzen in Krisenmanagement. So suchen wir auch die Mavericks, welche die nächste Mission zum Erfolg führen.

Hier einige aktuelle Beispiele aus unserer Praxis:

  • Platzierung eines 59-jährigen, Turnaround erprobten Geschäftsführers eines mittelständischen Maschinenbau-Unternehmens, das durch die Krise geführt werden muss. Zudem gilt es, einen jungen COO als starke Nr. 2 aufzubauen und auf den Einsatz als Geschäftsführer vorzubereiten.
  • Aufbau eines neuen Geschäftsleitungsteams für ein Private Equity backed Technologieunternehmen. Es wird ein Vierer-Gremium mit folgenden Kompetenzen zusammengestellt: CEO mit Turnaround-Kompetenz; CSO mit Kompetenz in der Umsetzung einer Wachstumsstrategie; COO mit Effizienzsteigerungs- und internationaler Supply Chain Kompetenz; CFO mit starker Kompetenz in der Reduktion von Net Working Capital und Cash-Management. Für Private Equity Unternehmen spielt das Alter seit jeher keine entscheidende Rolle – wichtig ist der hohe Energiepegel bis mindestens zum geplanten Exit.
  • Platzierung eines 60-jährigen CEOs zur fundamentalen Transformation eines führenden, internationalen Dienstleistungsunternehmens.
  • Platzierung eines 58-jährigen CEOs eines führenden, privat gehaltenen Unternehmens zur Vorbereitung und Umsetzung einer strategischen Kooperation. Einhergehend Coaching der gesamten Geschäftsleitung.
  • Ergänzung des Verwaltungsrats eines börsenkotierten Unternehmens mit einer krisenerprobten Turnaround-Managerin kurz vor ihrer ordentlichen Pension mit dem Zusatzauftrag, eine Task Force für den Turnaround zu leiten.

Trotz der verschiedenen kriegerischen Konflikte, politischen Turbulenzen und Branchen in der Krise sehen wir der Zukunft positiv entgegen. Unsere Kunden nehmen das Ruder in die Hand und agieren auf strategischer wie auf operativer Ebene aktiv. Dabei werden nicht nur Mavericks gesucht. Verschiedene Such-Mandate für CSO- und CTO-Positionen zeugen davon, dass zukunftsorientiert neue Märkte erschlossen und die Produkte weiterentwickelt werden sollen. Für 2025 wünschen wir den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen viel Erfolg in dieser stürmischen Zeit. «Mission completed» – mit oder ohne Maverick.